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BEN.B 215 - Liebespaar in der Laube
Liebespaar in der Laube
BEN.B 215 - Liebespaar in der Laube
BEN.B 215 - Liebespaar in der Laube
Foto: Walter Klein, Jochen Stapel
ObjektnummerBEN.B 215

Liebespaar in der Laube

älterer TitelLiebespaar in der Laube / Herbst
OriginaltitelSpanier, der dem Weibsbild hinterrücks einschenkt
ObjektbezeichnungPorzellanfigur
Modell von (1725 - 1760)
Hersteller*in (1755-1799)
Datierung1771
Material/TechnikPorzellan, mit Muffelfarben bemalt, Vergoldung
Maße(H x B x T): 31,5 × 20,3 × 14,6 cm
BeschreibungAuf einem weißen, mit Gold verzierten Rocaillesockel sitzt in einer Laube ein junges Paar auf einer Bank. Die filigrane Rocaille-Sitznische besteht aus einem grünen Rocaillegitter und einem purpur- und goldverzierten Rocaillerahmen. Vor dem Jüngling erwächst aus dem Sockel ein Schnörkelpostament, auf dem ein mit Trauben gefüllter Korb steht. Der Jüngling hat die nach links gerichteten Beine übereinandergeschlagen und wendet sich mit einer Drehung von Oberkörper und Kopf der neben ihm sitzenden Dame zu. Gleichzeitig schenkt er mit seiner rechten Hand Wein aus einer Karaffe in das Glas, das sie ihm hinter seinem Rücken mit der ausgestreckten Rechten reicht. Seine und ihre linke Hand sind zärtlich ineinandergelegt.
Der junge Mann trägt ein weißes, am Ausschnitt gerüschtes Hemd, welches in eine hellpurpurne Kniehose, mit weißem Umschlag an den Knien, gesteckt ist. Die Rüschen-Ärmelabschlüsse des Hemdes schauen unter dem darüber getragenen weißen Rock mit goldenen Ziernähten und goldenem Blumenprint hervor. An den Füßen trägt er weiße Schuhe mit lachsfarbener Sohle und Ziernähten. Der Kopf wird durch eine locker aufgesetzte, weiße Mütze bedeckt und offenbart die darunter liegenden, graubraunen, kurzen Locken. Die Dame trägt ein verspieltes, langes, weißes Kleid mit einem vertikalen, abwechselnden Blumenprint und zickzack-gestreiften Muster. Durch den großzügigen Ausschnitt, der mittig in einer goldenen Blume endet, knüpfen weitgeschnittene Puffärmel mit Rüschensaum an. Dadurch wird das Dekolleté betont. Leicht hochgezogene Falten am Rock offenbaren die weißen, mit purpurnen Ziernähten und Sohlen bestückten Schuhe, auf denen jeweils eine goldene Schnürschleife mittig thront. Die Frau trägt hellgraues, hochgestecktes Haar.
Als Vorlage für die Porzellangruppe diente der 1751 von François Joullain (1697–1778) geschaffene Kupferstich „Le Déjeuné, ou l´Alliance de l´Amour et du Vin“, der ein heute als „Die Liebenden“ bezeichnetes Ölgemälde Jean-Marc Nattiers (1685–1766) aus dem Jahre 1744 wiedergibt (München, Alte Pinakothek). Lanz ergänzte die dreiviertelfigurige Darstellung der Vorlage zu einer ganzfigurigen Komposition. Die ersten Ausformungen der Gruppe mit Lebkuchensockel und ohne Laube stammen noch aus der Straßburger Zeit. Das Benrather Exemplar wiederum ist erst um 1771-72 und damit lange nach Lanz’ Ausscheiden aus der Manufaktur entstanden. Gleichwohl hat Lanz nach Ausweis einiger Vergleichsstücke, die mit der Löwenmarke versehen sind, das in der Vorlage nicht vorgebildete Motiv der nischenartigen Rokoko-Laube noch selbst eingeführt. Die Anregung kam wohl aus Meissen, wo das Hinterfangen von Figuren mit ornamental aufgefassten Laubenarchitekturen bereits um 1750 gebräuchlich war.

Bearbeiterin: Alina Wetzel
Copyright DigitalisatFoto: Walter Klein, Jochen Stapel
Literatur/QuellenLanz, Hans: Porzellan des 18. Jahrhunderts im Kirschgarten (Pauls-Eisenbeiss-Stiftung Basel, Historisches Museum), Basel 1977, S. 87, Nr. 43;
Ducret, Siegfried: German Porcelain and Faience, New York 1962, S. 98 f.;
Böhm, Ludwig W.: Frankenthaler Porzellan (Meyers Bildbändchen Neue Folge, Band 20/21), Mannheim 1960, Nr. 2, S. 23;
Beaucamp-Markowsky, Barbara: Frankenthaler Porzellan, Bd. 1: Die Plastik, München 2008, S. 161 ff., Nr. 58 ff.;
Die Kunst Porcelain zu machen. Frankenthaler Porzellan 1755–1800, hg. von Edgar J. Hürkey, Frankenthal 2005, S. 107, S. 110;
Stahlbusch, Till Alexander: Tafelporzellan und Tischkultur. Vom Barock bis zum Art déco, München 1998, S. 45;
Hofmann, Friedrich H.: Frankenthaler Porzellan, 2 Bde., München 1911, Nr. 150;
Jarosch, Walter: Lebensbilder von Persönlichkeiten der Porzellanmanufaktur Frankenthal: Johann Wilhelm Lanz, Bildhauer der Fabrik, in: Frankenthal einst und jetzt 1991, S. 43–47, hier: S. 43 f.;
Jöckle, Clemens: Figuren aus Frankenthal: Nymphenburger Porzellan, München 1995 , S. 64, 71;
Krafft, Barbara: 250 Jahre Porzellan-Manufaktur-Nymphenburg 1747-1997. München 1997, S. 73;
Meister, Peter-Wilhelm / Reber, Horst: Europäisches Porzellan, Freiburg 1980, S. 79 f.;
Ziffer, Alfred: Frankenthaler Modelle aus Nymphenburg, in: Die Kunst Porcelain zu machen. Frankenthaler Porzellan 1755–1800, hg. von Edgar J. Hürkey, Frankenthal 2005, S. 94–103, hier: S. 103 (Nymphenburger Neuausformung).



PublikationenMarkowitz, Irene: Frankenthaler Porzellan in Schloß Benrath. Figuren (Stadtgeschichtliches Museum Düsseldorf. Schloß Benrath, Bildheft 1), Düsseldorf 1977, Nr. 11, S. 66;
Stiftung Schloss und Park Benrath (Hg.): Höfische Kostbarkeiten aus der Frankenthaler Porzellan-Manufaktur in der Sammlung von Schloss Benrath, Wettin 2010, S. 78, 82.
Stempel/ZeichenBlaumarke: CT (Ligiert) mit Kurhut, 71
BEN.B 262 - Die Eintracht in der Ehe
Karl Gottlieb Lück
1766
Liebesbriefschreiber
Johann Wilhelm Lanz
1756/1759
BEN.B 182 - Die gute Mutter
Karl Gottlieb Lück
1771 (?)
BEN.B 217 - Hirtenmusik
Johann Friedrich Lück
1762/1775
Spanische Musikanten
Karl Gottlieb Lück
1762/1775
BEN.B 1975/12 - Die Zwietracht in der Ehe
Karl Gottlieb Lück
1766
BEN.B 224 - Dame mit Blumen und BEN.B 1979/8 -  Landmann mit Blumenkorb
Johann Wilhelm Lanz
1756/1759
BEN.B 1983/3 - Schäfer in den Bergen
Karl Gottlieb Lück
nach 1762
Milchkanne mit zwei ländlichen Motiven
Porzellanmanufaktur Frankenthal
1786
Gärtnerin
Porzellanmanufaktur Frankenthal
1767
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Karl Gottlieb Lück
1766
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