ObjektnummerBEN.B 1980/4
Die Schäferin im Turm
KurztitelDie Schäferin im Turm
ObjektbezeichnungPorzellanfigur
Modell von
Johann Peter Melchior
(1742-1825)
Hersteller*in
Porzellanmanufaktur Frankenthal
(1755-1799)
Datierung1785
Material/TechnikPorzellan, mit Muffelfarben bemalt, Vergoldung
MaßeMaße in cm (HxBxT): 38,5x32x28
BeschreibungAuf einer stufenförmig aufgeschichteten Felsformation erhebt sich eine halbrunde Turmruine. In deren Inneren liegt in seitlicher Haltung mit angewinkelten Beinen eine junge schlafende Schäferin mit einem Lamm. Angetan ist sie mit einem violetten Unterkleid mit Blütendekor und einem Oberkleid mit rot-orange-blauem Streifenmuster. Über ihren Kopf fällt ein blau-gold-weiß gestreifter Schal. Zwei junge Männer beobachten die Schlafende. Der eine steht mit lässig gekreuzten Beinen rechts neben ihr. Mit dem über den Kopf geführten rechten Arm lehnt er sich leicht nach vorne gebeugt an das Turmgemäuer an, sein linker Arm ist zum Rücken hin angewinkelt. Der Mann trägt eine wadenlange Hose mit einem blau-rot-weißen Streifendekor, eine entsprechend gemusterte Weste, einen weißen Mantel mit rotem Innenfutter und einen schwarzen Tellerhut. Der zweite Mann beugt sich, auf einer Leiter stehend, von hinten über die Mauerkrone der Turmruine, um aus seiner rechten Hand eine Blume auf die Schlafende herabgleiten zu lassen. Seine Kleidung entspricht der des anderen, nur ist seine Weste rot-weiß und seine Hose grün-weiß gestreift. Neugierig verfolgt wird das Tun des Mannes von einem Knaben, der mit einem gleichaltrigen Mädchen zu Füßen der Leiter sitzt. Das Mädchen streichelt ein vor ihm liegendes Lamm. Links der Turmruine reckt sich ein schwarz gescheckter Ziegenbock nach einer Blattpflanze, die aus dem Mauerwerk wächst.Das Motiv wurzelt in den galanten Schäferszenen der Mitte des 18. Jahrhunderts. Gleichwohl verzichtete Melchior auf den Eindruck höfischer Geziertheit. Seine Darstellung ist geprägt von einem leicht sentimentalen, unprätentiösen Realismus und repräsentiert somit ein neues, von Aufklärung und Empfindsamkeit geprägtes Verständnis von Natürlichkeit.
Bearbeiter: Michael Overdick
Klassifikation(en)
Herstellungsort
Copyright DigitalisatFoto: Archiv SSPB
Literatur/QuellenHofmann, Friedrich H.: Frankenthaler Porzellan, 2 Bde., München 1911, Nr. 608; Hürkey, Edgar J.: Frankenthaler Porzellan aus den Sammlungen der Stadt Frankenthal und des Frankenthaler Altertumsvereins, München, 1990, S. 19, 59, Nr. 7;
Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus (Hg.): Sammlung Jean Wurz. Frankenthaler Porzellan und Arbeiten anderer deutscher Manufakturen (Katalog Nr. 1927), Berlin 1924, S. 35, Nr. 139, Taf. 24;
Hürkey, Edgar J.: Johann Peter Melchior in Frankenthal, in: Thelen, Klaus (Red.): Johann Peter Melchior 1747–1825. Bildhauer und Modellmeister in Höchst, Frankenthal und Nymphenburg, Gelsenkirchen 1997, S. 139–157, hier: S. 138, 149;
Die Kunst Porcelain zu machen. Frankenthaler Porzellan 1755–1800, hg. von Edgar J. Hürkey, Frankenthal 2005, S. 80, 86;
Overdick, Michael, Frankenthaler Porzellan. Geschichte, Motive, Dekore, in: Stiftung Schloss und Park Benrath (Hg.): Höfische Kostbarkeiten aus der Frankenthaler Porzellan-Manufaktur in der Sammlung von Schloss Benrath, Wettin 2010, S. 14–54, hier: S. 37 f.
PublikationenMarkowitz, Irene: Frankenthaler Porzellan in Schloß Benrath. Figuren (Stadtgeschichtliches Museum Düsseldorf. Schloß Benrath, Bildheft 1), 2. Auflage, Düsseldorf 1984;
Stiftung Schloss und Park Benrath (Hg.): Höfische Kostbarkeiten aus der Frankenthaler Porzellan-Manufaktur in der Sammlung von Schloss Benrath, Wettin 2010, S. 84.
In Sammlung(en)
Institution
Stiftung Schloss und Park Benrath
Abteilung
Museum Corps de Logis
ProvenienzSammlung Mrs. John W. Christner, Dallas, USA
Stempel/ZeichenBlaumarke: CT (Ligiert) mit Kurhut, 85, daneben drei Punkte
Position: unter dem Sockel