Anton Räderscheidt
- Anton Räderscheidt
1892 - 1970
BerufMaler
Biographie Junges Rheinland
- Hubert Anton Räderscheidt wird am 11. Oktober 1892 in Köln geboren. Nach dem Willen seines Vaters, des Handelsschuldirektors Wilhelm Räderscheidt, soll er eine Beamtenlaufbahn einschlagen und den Beruf des Lehrers ergreifen. Anton Räderscheidt fasst daraufhin den Entschluss Kunstlehrer zu werden und beginnt nach dem Realschulabschluss 1910 eine Ausbildung an der Kölner Kunstgewerbeschule. Ab 1911 besucht er das Zeichenlehrerseminar bei Lothar von Kunowski an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule, das er 1917 mit dem Staatsexamen als Befähigungsnachweis für den Lehrberuf abschließt. Zeitgleich belegt er Kurse bei Eduard von Gebhardt an der Düsseldorfer Kunstakademie. 1914 wird Räderscheidt zum Kriegsdienst eingezogen, nach einer schweren Verwundung aber 1917 für Dienstuntauglich erklärt. Er kann nach Köln zurückkehren und sein Studium abschließen. Ab Herbst 1917 absolviert er ein zweijähriges Referendariat an einem Kölner Gymnasium, entscheidet sich danach jedoch für eine freie künstlerische Tätigkeit. Bereits während seines Referendariats beteiligt er sich im April 1917 erstmals an einer Gruppenausstellung im Kölnischen Kunstverein. 1918 heiratet Räderscheidt die Malerin Marta Hegemann, mit der er eine Wohnung samt Atelier am Kölner Hildeboldplatz mietet. Zusammen mit den befreundeten Künstlern Franz Wilhelm Seiwert, Heinrich Hoerle, Hans Arp und Wilhelm Fick gründen sie dort 1919 die Gruppe Stupid. Das Atelier am Hildeboldplatz Nr. 9 wird bis 1920 zum Ausstellungsraum der Gruppe. Zunächst beeinflusst vom Kölner Dada-Kreis um Max Ernst entwickelt sich Räderscheidts Werk unter dem Einfluss von Giorgio de Chirico und Carlo Carrà hin zu einer neuen realistischen Ausdrucksweise, die dem Magischen Realismus zugeordnet werden kann. 1925 wird er als einziger Kölner Künstler von Gustav Friedrich Hartlaub zu der legendären Mannheimer Ausstellung "Neue Sachlichkeit" eingeladen. Im selben Jahr schließt Räderscheidt sich dem Jungen Rheinland an und nimmt an einer Wanderausstellung der Vereinigung teil. 1929 ist er als Gast auf der Jubiläumsausstellung der Rheinischen Sezession vertreten. 1930 wird er Mitglied der Rheingruppe an deren Jahresausstellungen er 1930 und 1932 teilnimmt. 1932 gründete Räderscheidt zusammen mit Seiwert, Hoerle, Heinrich Maria Davringhausen und Ludwig Egidius Ronig die ein Jahr später wieder aufgelöste avantgardistische Gruppe 32. Nach einem Studienaufenthalt an der Deutschen Akademie in Rom trennt er sich 1934 von seiner Ehefrau Marta. Er bricht den Kontakt zu ihr und den beiden 1919 und 1924 geborenen Söhnen weitestgehend ab.
Von den Nationalsozialisten verfemt, emigriert Räderscheidt mit seiner neuen Lebensgefährtin Ilse Metzger-Salberg 1935 über die Schweiz und England nach Frankreich. Zwischen 1937 und 1942 leb und arbeitet er hauptsächlich in Paris. In dieser Zeit wird er zwei Mal interniert, kann jedoch schließlich 1943 in die Schweiz flüchten. Nach dem Tod seiner Lebensgefährtin kehrt Räderscheidt 1947 nach Paris zurück und lernt dort zum Jahreswechsel 1947/48 Gisèle Boucherie kennenlernt, die seine zweite Ehefrau wird. Anhaltende Existenzsorgen zwingen Räderscheidt jedoch bereits 1949 wieder nach Köln überzusiedeln, wo es ihm nur langsam gelingt, wieder als Künstler Fuß zu fassen. Inspiriert von den neuen Kunstströmungen der Nachkriegsmoderne, etwa dem Informel, geht er ab Mitte der 1950er Jahre mehr und mehr den Weg in die Abstraktion, bleibt dem Gegenständlichen aber treu.
Anton Räderscheidt stirbt am 8. März 1970 in Köln.
Ausstellungen (DJR/RS/RG):
DJR 1925, Wanderausstellung, XX.XX. – XX.XX. 1925 (Kat.-Nr. 64-68)
RS 1929, Jubiläumsausstellung der Rheinischen Sezession, Städtische Kunsthalle Düsseldorf, 04. Mai – 30. Juni 1929 (Kat.-Nr. 252)
RG 1930, Jahresausstellung Rheingruppe, Städtische Kunsthalle Düsseldorf, September 1930 (Kat.-Nr. 93-97)
RG 1932, Kunstausstellung Rheingruppe, Palais Schaurte Düsseldorf, 12. Mai – 12. Juli 1932 (Kat.-Nr. 127)
Literatur:
Herzog, Günter, Anton Räderscheidt, Köln 1991.
Anton Räderscheidt, Ausst.-Kat. Josef-Haubrich-Kunsthalle, Köln, hg. v. Werner Schäfke, Köln 1993.
Nationalität: niederländisch
1917–2013