ObjektnummerP 12790
Medaillon, Fragment einer koptischen Tunika
TitelMedallion, fragment of a Coptic tunic
ObjektbezeichnungKoptische Textilien
Datierung6. Jahrhundert
Material/TechnikLeinen, Wolle
Maße(H x B): 24,5 x 25,8 cm
BeschreibungDas Zierstück war Teil des Besatzes einer koptischen Tunika, die zum Bekleiden der Toten diente. Es gehört zu den zahlreichen Grabfunden, die deutsche Archäolog*innen gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Südägypten gemacht hatten. Die Darstellung zeigt den griechischen Gott des Weines und der Freude, Dionysos, mit Trinkgefäß in der Rechten, umgeben von zwei Jagdszenen. Die dargestellten Personen tragen alle einen Heiligenschein. Dieser sogenannte Nimbus galt sowohl in der Antike als auch im Christentum als Zeichen der Macht und des Göttlichen. Die ethnische Gruppe der Kopten gehört zu den ersten frühchristlichen Glaubensgemeinschaften, die seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. im ägyptischen Niltal lebten. B.Til 2024
Karl-Heinz Brune, aus: Die koptischen Textilien im museum kunst palast Düsseldorf, Wiesbaden 2004, Teil 1: Wirkereien mit figürlichen Motiven, S. 78, Nr. 32:
Bei diesem Medaillon handelt es sich, zusammen mit den Stoffen aus Düsseldorf, MKP 12791 - 12793 (Kat. 33 - 36), um Fragmente derselben Tunika. In einem runden Zentralfeld ist auf blaugrünem Grund eine Gestalt mit gekreuzten Beinen dargestellt, die in der erhobenen Rechten einen Kantharos hält. Dadurch und unter Zuhilfenahme der anderen Stücke dieser Tunika kann man sie als Dionysos identifizieren. Neben seinem Kopf sind ein Kreuz und zwei Buchstaben eingewirkt, deren Sinn im Dunkeln bleibt, links ein Epsilon, rechts ein Lambda. Vielleicht dienen sie nur als Füllornamente. Auf dem rotgrundigen Kreisring zwischen Zentralmedaillon und Bordüre erkennt man oben und unten zwei gleiche Jagdszenen, die in der waagerechten Mittelachse durch zwei Löwendarstellungen verbunden werden. Alle an der Jagd Beteiligten sind nimbiert dargestellt. Im Mittelpunkt einer jeden Jagdszene steht ein mit einem gespannten Bogen nach rückwärts gewandter Reiter, was alter persischer Kampfes- und Jagdtradition entspricht. Zu beiden Seiten befinden sich noch jeweils zwei ebenfalls mit Bogen bewaffnete Assistenzfiguren. Diese aber sind nicht im Begriff zu schießen, sondern sie halten den Bogen in einer Hand. Mit der anderen haben sie den Daumen unter dem Riemen des geschulterten Köchers eingehakt. Eine einmalige Szene in der koptischen Textilkunst! Die Szenerie wird ferner durch allerlei Kleingetier wie Vögel und Hunde und durch zwei mit Früchten gefüllte Schalen bereichert. Der Hauptunterschied zwischen beiden Jagdszenen liegt in der Tatsache, dass Hund und Vogel zu Seiten des Kopfes des unteren Reiters den Kopf nach hinten gewandt haben, während die beiden entsprechenden Tiere in der oberen Szene nach vorne blicken.
Die dreiteilige Bordüre zeigt in ihrem inneren Ring eine grüne Wellenranke mit wechselständigen Dreiblättern auf dunkelbeigem Grund, im mittleren Ring eine einfache, dafür aber breit gefächerte, blaugrüne Blattranke mit gegenständigen, roten Blütenpalmetten. Das Ganze wird umgeben von einem polychromen Mäanderband.
Technik: Überwendlingsstiche entlang der umgeschlagenen Kanten der Wirkerei mit Flachs, ungefärbt/braun, s/2 Z und Vorstichlinien vertikal mit Flachs, ungefärbt/weiß, STA/2 Z; vertikale Kanten der Wirkerei nach hinten umgeschlagen; Kanten entlang des Medaillons nach hinten umgeschlagen. Material: Wirkerei mit Wickelschüssen in Flachs und Wolle (gelb, grün, blaugrün); Kette: Flachs, ungefärbt/braun, STA/2 Z, 13-14 F/cm; Schuss: Wolle, Grundfarbe: rot, s, 56-58 F/cm; Flachs, ungefärbt/weiß, s, 46-64 F/cm; Musterdetails: Wolle, dunkelblau, mittelblau, blaugrün, grün, türkis, gelb, beige, orange, violett-braun-meliert, s, 56-66 F/cm; Flachs, ungefärbt/weiß, s, 58-62 F/cm.
Zustand: Insgesamt brüchig; Fehlstellen in der Wirkerei in Kette und Schuss; rechte Kante der Wirkerei offen; Verbräunungen, anhaftender Schmutz und Flecken (Wirkerei wurde beim partiellen Einfärben/Bemalen eines Unterleggewebes an den Kanten der Fehlstelle mit bemalt); Sicherung einer Fehlstelle durch Unterlegen mit naturfarbenem, gazeartigem Bw-Gewebe, das bemalt wurde; Sicherung der übrigen Fehlstellen mit zweckmäßigen Stichen auf Montierungsgewebe.
Montierung: Mit zweckmäßigen Stichen und Vorstichen auf beiges Synthetikfasergewebe genäht, Kanten noch original umgeschlagen.
Klassifikation(en)
FundortAchmim-Panopolis (Mittelägypten)
EntstehungsortKopten
Copyright DigitalisatKunstpalast - Karl-Heinz Brune
Literatur/QuellenBock 1887, S. 29 f, Nr. 130. Kat. Essen, S. 340, Nr. 358.
Brune 1996, S. 311 f, Kat. 353a
PublikationenDie koptischen Textilien im museum kunst palast Düsseldorf, Wiesbaden 2004, Teil 1: Wirkereien mit figürlichen Motiven, S. 78, Nr. 32
Führer durch die Sammlung 1, Kunstmuseum Düsseldorf, Hrsg. Kunstmuseum Düsseldorf, 1985, S. 217f, Nr. 396
In Sammlung(en)
Institution
Kunstpalast
Provenienz[...]; bis 1887 Dr. Franz Johann Joseph Bock, Kanonikus, Geistlicher und Kunsthistoriker (Aachen-Burtscheid 1823-1899 Aachen); 1887-1927 ehem. Kunstgewerbemuseum Düsseldorf (1883-1927) angekauft von Bock; 1927 übernommen aus dem Kunstgewerbemuseum
3.– 9. Jahrhundert
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4.–6. Jahrhundert / 10.–12. Jahrhundert